„Schule als Bühne“

Kurs Literatur und Theater der K1 besucht Hauptprobe der Robert-Mayer-Schule im Theaterhaus Stuttgart

Während die Spieler/innen der Robert-Mayer-Berufsschule auf ihren Auftritt warten, begrüßt Lisa Iffert, die Theaterpädagogin des Theaterhauses, die Schüler/innen des Literatur- und Theater-Kurses des Robert-Bosch-Gymnasiums im Zuschauerraum von T4. Sie erklärt die Funktion einer Hauptprobe und die Aufgabe für die Zuschauer. Diese werden in einem Rückspiel den Spieler/innen der Robert-Mayer-Schule ein Feedback geben.

 Dann geht’s los: Der „Pflegefall“ ist ein Krimi, der in Rückblenden erzählt wird und sich mit Ferdinand von Schirachs These „Es gibt keine Schuld. Es gibt kein Verbrechen. Aber es gibt ein Gesetz“ auseinandersetzt. Die Statements der Kommissare, der Pathologin und der Staatsanwältin, den Vertretern der Exekutive des Rechtsstaates also, lassen ahnen, dass nicht nur Kriminelle gegen das Gesetz verstoßen. Im „Pflegefall“ sind alle Seiten zum Teil tief in Schuld verstrickt, sie vertuschen, bestechen und sind bestechlich, drohen, leugnen, denn keiner möchte sich zu seiner Schuld bekennen. Zwar liegen am Ende alle Fakten auf dem Tisch, aber die Waffe, mit der die Mörderin die Staatsanwältin zum Selbstmord zwingen will, liegt ebenfalls auf dem Tisch, als der Schuss fällt und das Licht ausgeht. Das offene Ende, so kristallisiert sich im abschließenden Kreisgespräch heraus, hebe hervor, dass Schuld nicht zuletzt eine Frage der Perspektive sei.

Während der Hauptprobe jongliert Lisa Iffert mit vielen Bällen. Sie souffliert, korrigiert den diffizilen Umbau zwischen den Szenen, erinnert die Spieler/innen an ihren Auftritt und gibt den Technikern Anweisungen zu Licht und Musik.

Im Anschluss an die Hauptprobe entwickeln die Schüler/innen des Literatur- und-Theaterkurses ein bestechendes Rückspiel-Szenario: Sie greifen die Gerichtsszene aus dem Theaterstück auf und verhandeln vor Gericht den Fall „Der Pflegefall“. Zeugen der Verteidigung und der Anklage treten im Wechsel in den Zeugenstand. Während die einen die Leistungen der Spieler/innen und der Inszenierung würdigen, schlagen die anderen Steigerungsmöglichkeiten für die Generalprobe am Nachmittag vor. Schließlich fällt die Richterin das Urteil, der „Pflegefall“ sei ein gutes Stück.

„Schule als Bühne“ wird im Sonderprogramm „Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Förderung von künstlerischen und kulturellen Projekten“ vom  Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert. In diesem Rahmen besuchen sich die schulartübergreifenden Tadems, wie z.B. das Robert-Bosch-Gymnasium und die Robert-Mayer-Berufsschule, gegenseitig. Im Juli werden in einem Workshop die Themen der erarbeiteten Projekte nochmals aufgegriffen und in einer abschließenden Präsentation werden Auszüge aus den über das vergangene Schuljahr entstandenen Arbeiten gezeigt.

Bericht von Claudia Hellriegel, Kurslehrerin Literatur und Theater