„Er tat es auf seine Weise…“

Zeit, Abschied zu nehmen: Eberhard Blanz, Schulleiter des Robert-Bosch-Gymnasiums, geht Ende Juli in den wohlverdienten Ruhestand. Er trat 2010 die Stelle als Stellvertretender Schulleiter am Robert-Bosch-Gymnasium Gerlingen an. Seit 2014 nahm er die Schulleitung kommissarisch wahr. Im September 2016 wurde Eberhard Blanz zum Oberstudiendirektor ernannt und offiziell zum Schulleiter des Gymnasiums bestellt. Über die eigentliche Amtszeit von fünf Jahren hinaus prägte Eberhard Blanz damit das RBG in den vergangenen 11 Jahren maßgeblich.

Die Schule verabschiedete sich am Montag, 26.07., mit einer Feier in der Stadthalle. An der Veranstaltung nahmen neben Vertretern des Regierungspräsidiums und der Stadt Familienangehörige und langjährige Freunde, natürlich das Kollegium samt Ehemaligen sowie die Klassensprecher und Elternvertreter teil.

Silke Scholz führte als stellvertretende Schulleiterin durch das Programm einer Feier, die auf eine ganz besondere Weise die Persönlichkeit und den Führungsstil des scheidenden Schulleiters widerspiegelte: menschlich, freundlich, warmherzig. So, wie es Eberhard Blanz vor allem um die Menschen ging, würdigte Silke Scholz zwischen den Redebeiträgen die vielen Menschen im und rund um das RBG.

Claudia Rugart, Abteilungspräsidentin der Abteilung „Schule und Bildung“ am Regierungspräsidium Stuttgart hielt eine sehr persönliche und zugewandte Abschiedsrede, in der sie das Publikum auf eine botanische Wanderung durch die „berufliche Landschaft“ von Eberhard Blanz nahm. Anhand seines Werdegangs mit eher bekannten (Abitur in Korntal), schon unbekannteren (erste Stelle an den Zinzendorfschulen Königsfeld) und exotischen (8 Jahre an der Deutsche Schule Athen) „Pflanzen“ betonte sie, dass die Eigenschaften, die Eberhard Blanz als Schulleiter auszeichnen, in seiner Biographie schon früh angelegt waren und sich von Station zu Station entwickelt haben: der Wunsch, der Wille und das Vermögen, Verantwortung zu übernehmen und zugleich den Primat auf die Pädagogik und das Menschliche zu legen. Damit ist Eberhard Blanz das „Ideal eines Schulleiters“, der die edelste aller Führungstugenden verkörpert: die eines „Ermöglichers“. Die Rednerin führte an einigen Beispielen aus, wie Eberhard Blanz in seiner Schulleitertätigkeit Räume geschaffen hat und das RBG sich als Lern- und Erfahrungsraum für die Schüler weiterentwickelte. Die gute Schulgemeinschaft mit einer freundlichen, teamorientierten Atmosphäre für alle, in der man sich wohlfühlen und gut arbeiten könne, führte Fr. Rugart auch auf die Haltung zurück, die Eberhard Blanz geprägt hat als jemand, der an den Stärken von Menschen interessiert ist, das Positive sieht und Bedingungen schafft, damit sich diese auch entfalten können. Zugleich dankte sie auch dem Lehrerkollegium, das vor allem in den letzten anderthalb Jahren enorm herausgefordert war und mit sehr großem Einsatz arbeitete. Die Amtszeit des Schulleiters bilanzierte sie mit den Worten: „Sie hinterlassen eine bestens aufgestellte Schule.“ Mit der Amtshandlung der „Entpflichtung“ entband sie Eberhard Blanz von seinen Aufgaben als Schulleiter, überreichte ihm die von Ministerpräsident Kretschmann unterzeichnete Urkunde und versetzte ihn damit in den Ruhestand (der zum 01. 08. eintritt).

Zum Schluss wünschte sie dem studierten Physiker Eberhard Blanz, dass er nun erfolgreich die „physikalischen Grundlagen des Ruhestandes“ werde und überreichte gemeinsam mit dem für das Gerlinger Gymnasium zuständigen Schulreferenten des RP, Jürgen Herr, zwei Flaschen Wein: eine für die alte Heimat Gerlingen und eine für die neue in Griechenland.

Als Vertreter des Gerlinger Bürgermeisters Dirk Östringer sprach der Erste Beigeordnete der Stadt Gerlingen, Stefan Altenberger, und hob die sehr gute Zusammenarbeit mit dem „Vater des RBG“ der vergangenen Jahre hervor: „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt.“ Die vielen Veränderungen und Entwicklungen, nicht zuletzt in den vergangenen anderthalb Jahren mit den sehr vielen sehr kurzfristigen Corona-Vorgaben für die Schulen konnten auch durch die freundliche, ausgeglichene Art des Schulleiters, der bei allen Fragen und Unklarheiten der ruhende Pol der Schulgemeinschaft blieb, umgesetzt werden. Im Namen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats dankte Herr Altenberger sehr herzlich für den Einsatz für Schule und Schüler.

Mirjam Beck, Leiterin der Pestalozzi-Grundschule dankte Eberhard Blanz stellvertretend für alle Gerlinger Schulleiter für die enge Zusammenarbeit sowie das vertrauensvolle Miteinander. Sie betonte, dass Herr Blanz sehr große Fußstapfen hinterlässt, nicht zuletzt auch in der Runde der Schulleiter mit seiner pragmatischen Art und Hilfsbereitschaft, Ruhe und Gelassenheit, seinem Interesse an den anderen Schulformen und seiner Erfahrung, aber auch seiner Hartnäckigkeit: „Das wird uns fehlen. Sie werden uns fehlen.“ Alle Gerlinger Schulleiter gemeinsam schenkten einen „Strandkorb“ und füllten ihn mit allerlei nützlichen Strandutensilien.

Christiana Merkle, Vorsitzende des Örtlichen Personalrats (ÖPR) blickte als Vertreterin des Kollegiums auf den „Mikrokosmos“ Schule, in dem Eberhard Blanz als Schulleiter nach dem Motto „Abwarten, das wird schon“ vor allem seit dem Frühjahr 2020 das Gegengewicht bildete zu den Turbulenzen mit im Wochenrhythmus wechselnden ministeriellen Vorgaben, gerne am Freitagnachmittag kommuniziert. Im Namen des Kollegiums dankte sie für den klaren Rückhalt, das stete Suchen nach der bestmöglichen Lösung für die ganze Schule, für die spontane Ehrlichkeit, den Realismus angesichts überzogener Erwartungen an Schule, Lehrer und Referendare von oben, für eine offene Tür für alle Anliegen sowie Offenheit für neue Ideen, für eine positive Einstellung in der Erwartung, dass sich die Dinge schon fügen, für den Humor als Kraftquelle im Arbeitsalltag. Alle diese Dinge schufen ein angenehmes Arbeitsklima: „Dass alle gerne an der Schule arbeiten, ist nicht zuletzt auch ihr Verdienst.“ – „Passen Sie auf sich auf, das wird scho!“, gab sie ihm sein eigenes Motto mit auf den Weg in den Ruhestand.

Martina Merchant als Vorsitzende des Elternbeirats beschrieb die Schule als Familie mit dem Schulleiter als einem besonders fürsorglichen und umsichtigen Elternteil: auch wenn nie alle einer Meinung sind und aus den unterschiedlichen Interessenslagen Konflikte entstehen, halten doch alle zusammen angesichts einer Bedrohung von außen. Das zeigte sich während der Coronazeit: die sehr gute Zusammenarbeit mit den Eltern fand ihren Ausdruck in den wöchentlichen Mails zur „Lage der Nation“, die nach Rücksprache mit den Elternvertretern verfasst wurden.

Die Schülersprecherin Mathilde Kocher (Kl. 10) und ihre Stellvertreterin Leni Baur (K1) spielten in ihrer Rede auf den Stil der „Lage der Nation“ an und bedankten sich für diese Konstante und die Mut machenden Worte darin in den Monaten der Schulschließung: „Wir hatten eine schöne Schulzeit unter ihrer souveränen Leitung“.

Die musikalische Pointe bildete das Lied „I did it my way“ (Frank Sinatra), musiziert vom Schulorchester unter der Leitung von Tatjana Vilz-Beck und gesungen von Luca Musa (Kl. 10).

Das Schlusswort gebührte dem Ehrengast: Sichtlich gerührt bedankte sich Eberhard Blanz: „Für einen Schwaben ist es schwierig, über zwei Stunden nur Lob zu hören.“ Er dankte allen Beteiligten. Einen besonderen Dank richtete er an seine Familie, darunter seine verstorbene Frau, und alte Weggefährten aus Schulzeiten, die anwesend waren. In einem persönlichen Rückblick auf seine Laufbahn sah er die Liebe zu den Kindern, die Freude am Unterrichten und die Neugier auf Neues als wesentliche Triebkräfte für seine Entwicklung an. Mit allen Schulen sei er über die entstandenen persönlichen Beziehungen und Freundschaften weiter in Verbindung geblieben. Mit Blick auf seine Gerlinger Zeit hob er die sehr gute und humorvolle, nie verbissene Zusammenarbeit im Schulleitungsteam und mit der Schulsekretärin Heike Schaible sowie Rektoratsassistent Markus Ciapura hervor, dankte dem Kollegium, aber auch den Personen im Hintergrund von der Schulbibliothekarin über die Hausmeister bis hin zum Putzteam. Eberhard Blanz griff besondere Entwicklungen während seiner Schulleiterzeit heraus, aber auch die Grenzfälle und Herausforderungen, die es gab. „Seiner“ Schule, dem RBG, gab er als Wunsch mit, dass sie sich weiterentwickeln, aber ihre besondere Atmosphäre behalten solle. Sein Fazit: „Ich habe das große Glück, den richtigen Beruf gefunden zu haben.“

Ab Donnerstag kann er nun endlich Neues entdecken ohne Stundenplan: „Vielen Dank für den schönen Abend!“

Silke Scholz fasste die „Ära Blanz“ und die Würdigungen des Abends in Anspielung an „My way“ zusammen:

„Er tat es auf seine Weise – und wir sind gut damit gefahren.“

Auf dem Rathausplatz wartete anschließend eine besondere Überraschung: eine Akrobatik- und Jonglage-Show (meist ehemaliger) Schüler – siehe Bildergalerie.

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