Kategorie: Geschichte

  • „Vergangenheit trifft Zukunft – 80 Jahre Kriegsende“

    „Vergangenheit trifft Zukunft – 80 Jahre Kriegsende“

    Seit mittlerweile 25 Jahren findet nun schon der deutsch-deutsche Austausch zwischen dem Elisabeth-Gymnasium in Halle und dem Robert-Bosch-Gymnasium in Gerlingen statt. Jeweils ca. 15 SchülerInnen der Klassenstufe 10 beider Schulen treffen sich, um gemeinsam verschiedene Aspekte der deutschen Geschichte zu beleuchten und die Vergangenheit lebendig zu halten. Der DD-Austausch bietet also die Möglichkeit, an jährlich wechselnden Themen einen mit Sicherheit spannenden Einblick in die Geschichte Deutschlands zu erhalten.

    Plakat zum DD-Austausch – Gruppenbild beim Besuch der Maginot-Linie in Frankreich

    Nach der Anreise der Hallenser am 3. November und einer thematischen Einführung in der Schule besuchte die Schülergruppe am 5. November bspw. das Fort Schoenenbourg in Frankreich. Das Fort Schoenenbourg ist eine Bunkeranlage der Maginot-Linie, die aus einer ganzen Reihe solcher Bunkeranlagen besteht und sich entlang der französischen Grenze erstrecket. Frankreich baute dieses Verteidigungssystem zwischen 1930 und 1940, um u.a. Deutschland davon abzuhalten, in Frankreich einzumarschieren. Die deutsche Wehrmacht nutzte für den Einmarsch dann allerdings letztendlich einen unbefestigten Bereich an der französisch-belgischen Grenze und griff Frankreich über die Ardennen an.

    Nach diesem besonders beeindruckenden Programmpunkt machte sich die gesamte Gruppe am 6. November nach Halle auf. Auch dort erwartete die Gruppe spannende und eindrückliche Führungen, so zum Beispiel im „Roten Ochsen“, einem ehemaligen Gefängnis und späterer Hinrichtungsstätte des nationalsozialistischen Herrschaftsregimes sowie Staatssicherheitsgefängnis der DDR, das nun für Besucher als Gedenkstätte zugänglich ist, oder am Sonntag das Museum Berlin-Karlshorst. Das heutige Museum war der Ort, an dem Deutschland am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation unterschrieben hat und somit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet wurde.

    Wir hoffen, dass auch in diesem Jahr alle einen interessanten und unvergesslichen Einblick in die deutsche Vergangenheit erhalten und sich die neuen Freundschaften noch lange halten werden. Auch wir LehrerInnen blicken auf einen tollen Austausch mit Euch zurück.

    A. Beuchle und M. Ciapura

  • Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau

    Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau

    Texte und Bilder: Sophie F., Sara S. (Kl. 9)

    Am 14. Februar 2025 machten wir, die gesamte neunte Klassenstufe, eine eindrucksvolle und emotional aufwühlende Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Wir starteten in Gerlingen um 6:30 Uhr morgens und erreichten nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt das Gelände in Dachau.

    Das ungemütliche Wetter und die Kälte verstärkten noch zusätzlich die bedrückende Atmosphäre dort und die Stimmung bei uns allen war sofort sehr ernst und nachdenklich. Es fiel schwer, sich vorzustellen, dass hier während des Zweiten Weltkriegs diese grausamen Taten stattgefunden hatten. Schließlich schien die Wirklichkeit weit entfernt von dem, was wir vor uns sahen. Der Besuch an diesem historischen Ort ließ uns jedoch schnell begreifen, was hier tatsächlich geschehen ist.

    Wir wurden klassenweise aufgeteilt und je ein erfahrener Guide nahm jede der drei Gruppen den Vormittag über mit auf eine geführte Tour. Zunächst gingen wir in einen Seminarraum, in dem wir uns mit den geschichtlichen Ereignissen und mit Bildern aus der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigten. Der Guide erzählte uns die Geschichte des Konzentrationslagers und dabei wurde bereits deutlich, wie brutal und unmenschlich das Lagerleben war.   

    Anschließend führte uns der Guide über das Gelände und zeigte uns verschiedene bedeutende Orte. Besonders eindrucksvoll waren die Erklärungen zu den verschiedenen Gebäuden und Bereichen wie die Unterkunftsbaracken. Die einzelnen Geschichten, die uns dazu erzählt wurden, waren erschreckend. Es war schwer zu fassen, welche Grausamkeiten dort tagtäglich stattfanden.

    Ebenfalls sehr eindrücklich war der Besuch im Krematorium. Allein der Anblick dieser Räume und der Gedanke an diese unmenschlichen Taten hinterließ bei uns allen einen bleibenden Eindruck.

    Nach der Führung hatten wir noch Zeit, das Museum in dem Gebäude selbst zu erkunden. Auf diese Weise konnten wir uns noch intensiver mit bestimmten Themen auseinandersetzen und ausgestellte Überreste betrachten. Es war beeindruckend, die historischen Objekte zu sehen und mehr über das Schicksal einzelner Häftlinge zu erfahren.

    Zum Abschluss des Besuchs sahen wir einen kurzen Film in einem Kino, der uns die Geschichte des Konzentrationslagers und die historischen Ereignisse noch einmal näherbrachte. Der Film verstärkte nochmals die Eindrücke des Tages und verdeutlichte die erschütternde Realität jener Zeit.

    Nachdem wir schließlich das Gelände verlassen hatten, stiegen wir wieder in den Bus und erreichten Gerlingen um 18:30 Uhr. Der Tag hat uns viele intensive Eindrücke und Gedanken verschafft, die uns noch lange beschäftigt haben. Der Besuch der Gedenkstätte Dachau hat uns also nicht nur historisches Wissen vermittelt, sondern uns auch emotional mitgenommen und vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich an solche Orte zu erinnern, um die Opfer des Nationalsozialismus zu ehren und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

    Im ersten Halbjahr der Klasse 9 behandelt der Geschichtsunterricht den Nationalsozialismus. Die Gedenkstättenfahrt dient der Veranschaulichung und Ergänzung des Unterrichts.

    Das Konzentrationslager (KZ) Dachau vor den Toren der Metropole München wurde als eines der ersten bereits im März 1933 auf dem Gelände einer ehemaligen Pulverfabrik errichtet. Es diente zunächst der Inhaftierung politischer Gegner der NSDAP. Nachdem Hitler seine Diktatur errichtet hatte, wurde das KZ Dachau als einziges der frühen KZs nicht aufgelöst, sondern von der SS weiterbetrieben. Insgesant wurden von 1933 bis 1945 zehntausende Juden und Häftlinge aus den von der Wehrmacht eroberten Ländern Europas inhaftiert, litten in dem Arbeitslager und seinen Außenstellen. 41.500 starben infolge der unmenschlichen Haftbedingungen oder durch Massenhinrichtungen.

    https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/historischer-ort/kz-dachau-1933-1945/

    Annäherung an die KZ-Geschichte: Historische Fotografien
    Die Verbrennungsöfen in Dachau
    Gedenkstein für die Opfer
  • Hinterm Haus beginnt die Steinzeit

    Hinterm Haus beginnt die Steinzeit

    Geschichte zum Ausprobieren und Anfassen: Die Klasse 6d des RBG besuchte am Freitag, 18.10., das Gerlinger Stadtmuseum. In einer Museumsrallye entdeckten die Schüler das Leben der „ersten Gerlinger“, die hier sesshaft lebten: Bauern um ca. 5500 – 5000 v. Chr., nach der neolithischen Revolution. Dabei stellten sie erstaunt fest, dass manchmal gleich hinter dem eigenen Haus jungsteinzeitliche Funde wie Siedlungsreste, Scherben oder Skelette ausgegraben wurden. Diese Funde verraten uns etwas über das Leben in der Jungsteinzeit. In einem Workshop wurden die Schüler selbst zu „Ur-Gerlingern“ und probierten steinzeitliche Produktionsmethoden aus: Lederbearbeitung mit Steinklingen, Getreidemahlen mit Mahlsteinen. Die wichtigste Erkenntnis: Der Alltag war ungeheuer mühsam und erforderte Fähigkeiten, die wir heute nicht mehr besitzen.

  • „Lebt das Leben, denn es ist schön“

    „Lebt das Leben, denn es ist schön“

    Zeitzeugengespräch zwischen Günther Jauch und Eva Erben

    Am Freitag, 27.01., dem Holocaust-Gedenktag, besuchte die Kursstufe 2 und die Stufe 9 in der Stuttgarter Liederhalle den Vortrag von Eva Erben, einer Holocaust-Überlebenden. Eingerahmt in Musikbeiträge erzählte Eva Erben im Gespräch mit Günther Jauch über ihre Kindheit im Nationalsozialismus und die Schrecken von Auschwitz. Mit dem Moderator von „Wer wird Millionär“ ist Eva Erben befreundet, seit sie ihn zu einem Aufenthalt nach Israel einlud.

    M.L. und O.L., zwei Schüler der Kursstufe 2, haben die eindrückliche Veranstaltung zusammengefasst:

    Erste Erinnerungen an den Nationalsozialismus:

    Eva Erben wurde 1930 in der Tschechoslowakei geboren und wuchs in Prag auf. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 kam sie das erste Mal in Berührung mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus: sie sah ein Plakat mit einem „hässlichen Mann“ und der Aufschrift „Juden verboten“. Ihr Vater beruhigte das Mädchen: „Das sind nur Rowdys, das geht vorüber“. Man wollte das Geschehen nicht wahrhaben und dachte: „Nazis sind Außerirdische und keine Menschen“. Ab 1939 durften Juden nicht mehr unterrichtet werden, Eva kam nicht in die 4. Klasse und musste Privatunterricht nehmen. Sie erinnert sich daran, wie Männer mit großen langen Mänteln (NS-Offiziere) mit einem Mercedes angefahren kamen und Familie Erben ihren Hund, die Vögel,  Schmuck, Ski, und Möbel abgeben musste. Trotzdem überwog der Optimismus: das Leben in der Tschechoslowakei war von Freiheit geprägt, so dachten viele Juden; man konnte sich Verluste zurückerarbeiten.

    Der Beginn des NS-Terrors: Theresienstadt

    Als neunjähriges Mädchen kam Eva Erben noch 1939 nach Theresienstadt, dort blieb sie bis 1942: das KZ bestand aus 8 große Kasernen, ausgelegt für mehrere tausend Menschen. Später wurde daraus ein Ghetto für 72.000 Menschen, ohne Privatsphäre, ohne Medikamente, mit schlechtem Essen.

    1942 fand die Zwangsdeportation aller Männer unter dem Vorwand statt, sie müssten angeblich ein neues Lager bauen. Tatsächlich wurden sie in Konzentrationslager geschickt. Frauen und Kinder blieben zurück, konnten sich jedoch den Männern freiwillig anschließen. Im Herbst 1944 wurden alle verbliebenen Menschen aus Theresienstadt deportiert. Die Deportation war „menschlich“, d.h. ohne Viehwagen, jedoch waren die Fenster mit Holz zugenagelt.

    An die Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz erinnert sich Eva Erben: das Bellen von Hunden und Offizieren, Schreie, Tritte, überall gab es Feuer, in der Umgebung lag ein warmer, süßer Geruch (von den Krematorien), man dachte, man sei am falschen Ort angekommen.

    Die Zeit in Auschwitz

    Die Sortierung
    Zu Müttern wurde gesagt, dass ihre Babies/Kinder bei Abgabe in ein Säuglingsheim kommen. Die Mütter gaben daher ihre Kinder ab. Man wusste nichts von der Vergasung bzw. den Schrecken. Die Babies kamen in einen LKW, kurze Zeit später folgte ein Knall und ein Feuer entflammte, nach der Realisierung stürzten sich viele Mütter voller Verzweiflung gegen den Elektrozaun. Alle unter 18 galten als arbeitsunfähig, Eva war zu dem Zeitpunkt 14 und gab an, sie sei 18, um der sofortigen Vernichtung zu entgehen.

    Nach der Sortierung

    1000 Leute kamen in eine Baracke, es war Herbst: kalt, die Betten zu klein (über 8 Personen pro Bett, das ausgelegt für 2 war). Die Toiletten  waren ein großer Eimer am Ende der Baracke, einen Kilometer lang entfernt und kalt, auf dem Weg dahin stieg Eva mehrfach unwissentlich über Tote.

    Der Tagesablauf
    5:00 Uhr:
    Appell, Massenausflug auf das Klo, dann wurde durchgezählt, es wurde so lang gewartet, bis alle Nummern stimmten (sie stimmten nie), das bedeutete ellenlanges Warten in der Kälte, Leute wurden ohnmächtig.
    „Arbeit“:
    Von A nach B rennen um Steine zu tragen – die Arbeit war von Sinnlosigkeit geprägt. Eines Tages fragte Eva einen NS-Offizier: „Ist das hier eine Fabrik?“ – Der Offizier: „Nein, es ist ein Irrenhaus“.

    Ihre Lebenssituation:

    • Sie suchte, soweit sie das im KZ  konnte, nach dem Vater.
    • Als 14jähriges Mädchen im KZ, doch man weinte nicht.
    • Wut: Warum das Leiden? Wo ist Gott?
    • Verbitterung: Wie konnte das nur passieren?
    • Die eigene  Wut musste man überwinden, es war Glück notwendig zum Überleben, da war das einzige, was zählte, alles andere war nutzlos.
    Die Deportation aus Auschwitz

    Neues Lager:
    Beim Aufbruch aus Auschwitz bekam Eva neue Schuhe. Diese wurden wahllos nach Leuten geschmissen, sie bekam 2 linke Schuhe und wollte sich aus dem Schuhhaufen ein neues (passendes) Paar suchen, daraufhin wurde sie vom NS-Offizier geschlagen, am Ende hatte sie gar keine Schuhe.

    Eines Morgen waren Flugzeuge am Himmel zu sehen, viele Hunde bellten: der Feind – für Eva und die Lagerinsassen die Befreier – rückte näher.

    Der Todesmarsch

    Die KZ-Insassen wurden im Februar und März 1945 zu Fuß Richtung Westen evakuiert, nachts schlief man trotz eisiger Kälte draußen. Man musste 25 – 30 km laufen pro Tag bei Mangelernährung, Krankheiten, Schwäche, etc. Die Anordnung war: Im Wechsel liefen fünf Reihen an Gefangenen und ein Bewacher. Wer sich hinsetzte, sich ausruhte, etc. wurde erschossen, die Leichen wurden liegengelassen. Den dreiwöchigen Marsch überlebten von 2000 Menschen nur 75. Ein Wächter vor ihr (ca. 50 Jahre alt) gab ihr Apfelreste als kleine Geste: das bedeutete für sie als auch für ihre Überlebenschancen viel. Trotz aller Grausamkeiten gab es kleine menschliche Gesten von vereinzelten Wächtern.

    Im Zuge der „Desinfizierung“ von tschechischem Gebiet unter dt. Besatzung starb Evas Mutter. Eva wollte Tod der Mutter nicht akzeptieren.

    Gegen Ende des Todesmarsch kamen die Gefangenen in eine Scheune: Eva war unterkühlt und lag halbtot in einer Ecke der Scheune. Dort war es sehr warm und hat gestunken, durch den Gestank konnten die Spürhunde sie nicht erschnüffeln, sodass sie ganz ungeahnt auf einmal „frei“ war.

    Eva wog zu dem Zeitpunkt ca. 25-28kg; zudem hatte sie Läuse, Krämpfe und konnte nicht richtig atmen, nach ihrer Freilassung lief sie in den Wald in dem sie sich wohlfühlte, zugleich hat sie in dem Wald Gott gespürt.

    Ein Soldat traf sie, er erklärte ihr, dass der Krieg vorbei sei, gab ihr Milch und Kaffee, womit er sie unwillentlich fast umbrachte, da „soviel“Nahrung ihr Körper nicht mehr gewohnt war.

    Später traf sie auf einen anderen Soldaten, der erst das Gewehr auf sie zielte und sie umbringen wollte, diese Versuche wurden von einem anderen jungen Soldaten unterbunden mit der Aussage: „Lass sie in Ruhe, sie stirbt schon von allein.“

    Sie wurde schließlich von den Eltern eines der beiden jungen Soldaten gerettet; junge Soldaten organisierten für Eva unter Angst vor Entdeckung und Hinrichtung Milch, damit wurde sie langsam kräftiger.

    Abschließende Fragen & Weiteres

    In einer Fragerunde mit ausgewählten Schüler konnten diese noch Fragen stellen:

    Über ihre Ehe und Familie: Eva Erben lernte später ihren Mann Peter kennen. Nachdem die beiden eine hitzige Diskussion hatten, wurde sie am gleichen Abend noch schwanger. Eva wollte 6 Kinder, ein Kind sollte dabei symbolisch für 1 Million tote Juden stehen. Peter und Eva hatten letztendlich 3 Kinder.

    Über ihr Verhältnis zu Deutschland und der deutschen Sprache: Eva hat 40 Jahre lang die dt. Sprache und Kultur auf das Äußerste gemieden bis Schweden durch ihre Offenheit sie davon überzeugt haben, wieder Deutsch zu sprechen

    Ihr einprägsamstes Erlebnis während der NS-Zeit? Die Grausamkeit der Menschen

    Wie sieht sie Deutsche heutzutage? Menschen sind anfällig für die „Krankheit“ Antisemitismus, man sollte leben und leben lassen.

    Sollte man alte NS-Verbrecher heutzutage noch verurteilen? Nein, sie haben ihr Leben schon gelebt, man soll sie in Ruhe lassen.

    Die Veranstaltung organisierten Eberhard Kleinmann und Jörg Weber von der Fachschaft Evangelische Religion. Sie wurde unterstützt durch das Programm SCORA, dessen Partnerschule das RBG Gerlingen ist.

     

  • Gedenkstättenfahrten nach Dachau und Natzweiler-Struthof

    Gedenkstättenfahrten nach Dachau und Natzweiler-Struthof

    In den vergangenen zweieinhalb Jahren waren Exkursionen nur schwer bis gar nicht möglich. Doch gerade die Besichtigung eines Konzentrationslagers im Rahmen der Einheit zur Diktatur des Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht  ist eine sehr wichtige Erfahrung. Deshalb wurden nun in den vergangenen Wochen mit der aktuellen Klasse 10 und der Kursstufe 1 die Gedenkstättenfahrten „nachgeholt“. Die Klassenstufe 10 besichtigte mit ihren Geschichtslehrern das KZ Dachau. 
    Die gesamte Kursstufe eins fuhr ihren drei Geschichtslehrern am Dienstag, 15.11.2022, zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass, 60 km von Straßburg entfernt. Die Lehrer führten ihre jeweiligen Kurse durch das Gelände. Von Schülern vorgetragene Berichte Überlebender ließen das Gesehene und Gehörte eindringlich werden.

    Das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, zu dessen 70 Außenstellen auch das Arbeitslager im Alten Engelbergtunnel in Leonberg gehörte, bestand von 1943 bis 1945. Insgesamt 52.000 vor allem aus politischen Gründen Inhaftierte durchlitten das Lager. Rund 22.000 überlebten die Haft, den Terror, den Hunger und die Zwangsarbeit nicht. Hauptzweck war die Arbeit in Steinbrüchen, um roten Granit abzubauen, der für die Bauprojekte Adolf Hilters, u.a. in „Germania“ verwendet werden sollte.

    Zu den Besonderheiten in Natzweiler gehörte, dass hier ausgehend von der ab 1940 nationalsozialistischen Universität Straßburg medizinische Experimente der SS-Organisation „Ahnenerbe“ an Menschen durchgeführt wurden. Darunter auch Versuche mit Gas in einer kleinen für diese Zwecke eingerichteten Gaskammer an 86 Juden, die dafür aus Auschwitz ins Elsass transportiert worden waren. Die mörderische Logik der „Todesfabriken“, die auf systematischer Entmenschlichung der Opfer beruhte, wird an solchen Beispielen besonders deutlich. Gingen Willkür und Brutalität des Lageralltags schon nahe – das Erschreckendste ist die Rationalität, mit der der Massenmord im wahrsten Sinne des Wortes „geschäftlich“ betrieben wurde.

    Hohe Aufmerksamkeit, Ernsthaftigkeit und zahlreiche Rückfragen zeigten das große Interesse der Schüler und die Wichtigkeit, den Geschichtsunterricht durch solche Exkursionen zu bereichern. Manches lässt sich erst im Anschauen zumindest ansatzweise erfassen.

    Die Klassenstufe 9 wird im Januar 2023 das KZ Dachau besichtigen.